Expressionismus in der Malerei- das ist Farbe, Form und Dynamik. Es geht vor allem um den künstlerischen Ausdruck, um das Aufbrechen von Regeln und das Finden neuer Ausdrucksformen.
Ernst Stadlers Gedicht aus dem Jahre 1914 ist für den Expressionismus programmatisch, heißt es doch dort: „Form und Riegel mußten erst zerspringen, Welt durch aufgeschlossene Röhren dringen; […] Form will mich verschnüren und verengen, Doch ich will mein Sein in alle Weiten drängen […]“.
Der Expressionismus (lat. expressio= Ausdruck) ist eine künstlerische Stilrichtung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausbildete. Er stellte, wie auch der Impressionismus, eine Gegenbewegung zum Naturalismus, dem es um eine möglichst genaue Darstellung der Außenwelt ging, dar. Aber auch vom Impressionismus, der seelische Eindrücke besonders genau beschreiben wollte, unterscheidet der Expressionismus sich stark. Die Expressionisten orientierten sich nicht an der Außenwelt, sondern wollten Ihr Inneres sichtbar machen. Sie wollten aufrütteln und die „dunklen“ Seiten der menschlichen Existenz thematisieren: Angst, Tod, das Unterbewusste. Der Expressionismus ist nicht nur eine Stilrichtung der Malerei, sondern findet sich auch in Literatur und Musik wieder.
Im Allgemeinen werden drei Einflüsse genannt, die das expressionistische Weltbild prägten. Zum einen ist das der Darwinismus, der den Menschen dadurch verunsicherte, dass er erstmals seine Sonderstellung in der Natur, seine Gottgegebenheit, in Frage stellte. Zum zweiten war das Nietzsches Philosophie, seine starke Kritik an christlicher Moral, sein Infragestellen der Existenz einer absoluten Wahrheit. Als weiterer wichtiger Einfluss ist Freuds Psychoanalyse zu nennen, die das Unterbewusste und die triebhafte Natur des Menschen zu erforschen versuchte.
Diese drei Komponenten erklären – zusammen mit der politischen Situation Europas - die tiefe Verunsicherung des Menschen, die die expressionistische Kunst ausdrückt. Das Europa zu Zeiten des Expressionismus war ein Ort voller Turbulenzen. Der erste Weltkrieg wurde die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ mit weitreichenden Folgen. Die Industrialisierung schritt schnell voran und brachte mit ihren Neuerungen große Veränderungen für das Leben der Menschen. Die Urbanisierung führte zu starkem Städtewachstum, aber auch zu Armut und Verunsicherung des neuen „Großstadtmenschen“.
Die expressionistische Malerei verzichtet auf die naturgetreue Widergabe ihrer Objekte. Sie zeichnet sich durch bunte Farben aus, bricht mit der traditionellen Perspektive und reduziert Motive auf das Wesentliche.
Bekannte Vertreter des Expressionismus in der Malerei sind z.B. Marc Chagall, Otto Dix, Max Ernst und Ernst Ludwig Kirchner. Und auch der lose zusammengeschlossene expressionistische Künstlerkreis mit dem Namen „Der blaue Reiter“ (u.a. Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter und August Macke) ist heute ebenso wie die Künstlervereinigung „Die Brücke“ vielen noch ein Begriff.